Montag, 18. August 2014

Emotionen

Wie gesagt, die erste Klasse ist so eine Sache.. Es war wunderbar, zu sehen wie über 40 Kinder jubelnd aus der Tür stürmen, wenn sie erfahren, dass wir sie mitnehmen auf den Platz, aber auf dem Platz angekommen, ging es los mit den Schwierigkeiten. Dass sie leise sind, wenn wir was zu erklären versuchen, klappte schon um einiges besser (Fortschritt!), aber wir haben feststellen müssen, dass die süßen uns absolut gar nicht verstehen. Ihre Masche ist, immer mit 'yes' zu antworten und uns so glauben zu lassen, sie verstünden uns: Ein Mädchen habe ich gefragt, ob sie wüsste, wem der Stift gehört, den ich in der Hand hielt. Antwort: yes. Und dann, wem er denn gehören würde.. Antwort: yes. So viel dazu :D Zum Glück kannten sie das Spiel „Who's scared of the lion?“ und so konnten wir sie irgendwie beschäftigen, aber das kann ja nicht ein Jahr so weiter gehen, also muss Christoph und mir wohl noch etwas einfallen, das man mit Händen und Füßen erklären kann!
Als sich unser Volleyball-Training dem Ende zuneigte, wurde ich persönlich das erste Mal von der Kultur geschockt: Es gab einen Konflikt zwischen einem Jungen und einem Mädchen und ehe wir davon mitbekamen, lag sie auf dem Boden und ihr Auge wurde mehr als dick. Zum Glück wohnte sie nur auf der anderen Straßenseite und wir haben sie mit den anderen Kindern nach Hause zu den Eltern gebracht. Ich wollte dem Vater erklären, dass er die Verletzung kühlen müsse, aber das alles in Ordnung kommen sollte, da habe ich zusehen müssen, wie der Vater den kleinen Jungen gepackt und ihn dann mit einem Gürtel verprügelt hat. Das hat mich selber sehr schockiert, denn wir wurden zwar auf unseren Seminaren vorgewarnt, dass so etwas passieren könnte, aber es dann wirklich zu sehen, war sehr hart. Natürlich war es von dem Jungen absolut falsch, das Mädchen zu schlagen, aber ich bin es gewohnt, dass solche Konflikte diplomatisch gelöst werden. Christoph und ich wollen beim nächsten Training versuchen, mit den Kindern über den Vorfall zu reden – mal sehen, ob sie etwas loswerden wollen oder nicht.
Nachdem ich den Schock einigermaßen verdaut hatte, sind Timo und ich noch joggen gegangen, denn das hatten wir einem Kind versprochen – bei der tiefstehenden Sonne ist das auch immer wieder sehr schön und angenehm. Zum Glück kamen wir wieder bevor sich die Nachbarn überlegten, Gras zu „mähen“ (indem sie es verbrennen).

Als wir am nächsten Tag von unserer Joggingstrecke zurückkamen, wartete auf Christoph und mich eine ganz besondere Überraschung: ein Mädchen hatte uns etwas gemalt/geschrieben (siehe Foto) und somit bekamen wir eine erste (schriftliche) Bestätigung, dass wir hier akzeptiert und geschätzt werden.

  

1 Kommentar: