Montag, 18. August 2014

Teambesprechung

Heute war das erste Volleyballtraining nach dem Vorfall letzten Mittwoch und wir hatten uns vorgenommen, mit ihnen zu reden, also warteten wir bis alle aus dem Team da waren. Um zwei sollte es losgehen und um 14.27 Uhr kamen auch die letzten des Teams zum Platz – ein bisschen Pünktlichkeit wollen wir aus Deutschland schon mitbringen, also wurde erst einmal über ein paar Regeln des Trainings gesprochen. Dann baten wir die beiden Betroffenen, die Geschichte aus ihrer Sicht zu erzählen und das klappte bei ihr auch ganz gut, aber er fing einfach nicht an, zu erzählen (weder auf Englisch, noch auf Xhosa). Bis wir dann eine Entschuldigung hörten, war fast die ganze Trainingszeit vorbei, doch ich finde, das Reden war wichtig. Ich hoffe, sie haben alle verstanden, dass wir so ein Verhalten im Team nicht dulden.
Außerdem ist Christoph und mir aufgefallen, dass wir irgendwie den Teamgeist stärken wollen, denn im Moment haben wir das Gefühl, dass sich die Volleyballer als Individuen verstehen und nicht als ein Team. Irgendwann eine Mannschaft zu trainieren, in der man sich gegenseitig respektiert, schätzt und unterstützt, ist mein Wunsch und Ziel.  

Wochenendeee 2.0

Um unser Auto auszutauschen (wir hatten den 8-Seater der East Londener während der aus Berlin in der Werkstatt war), sind wir nach East London (abgekürzt „EL“) gefahren und haben den Tausch mit einem Besuch in der Mall verbunden. Ganz komisch war, dass es auf mich schon ungewohnt wirkte, so viele Geschäfte zu sehen wenn man sonst hier in Berlin nur vereinzelte, kleine Läden vorfindet. ..Aber ein bisschen City-Life ab und zu schadet ja auch nicht. Wir waren mal wieder Pizza essen bei unserem Lieblingspizzaladen Debonairs (eine kleine Pizza, von der ich satt werde, für 19,90R – das ist nur ein bisschen mehr als ein Euro!!) und haben uns über die Internetmöglichkeiten in Berlin informiert in der Hoffnung, dass wir in unserem neuen Haus W-lan einrichten können ..scheint nicht unmöglich zu sein. Einkaufen in EL ist auch immer praktisch, weil man einfach viel mehr Auswahl hat, denn mit unserem Supermarkt in Berlin kommen wir kochtechnisch nicht so weit. Abends haben wir dann noch das Hotel besucht (eine Art Club in Berlin) um ein bisschen zu tanzen – der DJ war so nett und hat Timo den Gefallen getan, seine Helene Fischer CD aufzulegen und so haben wir irgendwann Standard getanzt; das war nicht nur für uns sehr amüsant, sondern auch für unsere südafrikanischen Mittänzer :D
Wochenende bedeutet bei uns keineswegs eine kinderfreie Zeit, denn morgens klopft es schon an unserer Tür und es wird nach Bällen gefragt. Dieses Wochenende wurden wir jedoch nicht nur nach Bällen gefragt, sondern von einigen Jungs angebettelt, sie unser Auto waschen zu lassen: „Can we please wash your car? Pleaaaaase!!“. Sie haben erklärt, dass sie nichts zu tun hätten und das wirklich gerne machen würden. Dank ihnen blitzt unser Auto jetzt wie neu und die Kleinen waren stolz wie sonst was auf ihre Arbeit.
Samstag Abend kam Esther vorbei, wir spielten einige Kartenspiele und am Sonntag waren mal wieder einige Hausarbeiten angesagt. Alleine zu leben bringt eben auch Nachteile mit sich..

Außerdem war wieder einmal joggen angesagt und danach wurde unser Garten zu einem Fitnessstudio umgewandelt und mit den Kindern haben wir dort ein Workout gemacht.  


Emotionen

Wie gesagt, die erste Klasse ist so eine Sache.. Es war wunderbar, zu sehen wie über 40 Kinder jubelnd aus der Tür stürmen, wenn sie erfahren, dass wir sie mitnehmen auf den Platz, aber auf dem Platz angekommen, ging es los mit den Schwierigkeiten. Dass sie leise sind, wenn wir was zu erklären versuchen, klappte schon um einiges besser (Fortschritt!), aber wir haben feststellen müssen, dass die süßen uns absolut gar nicht verstehen. Ihre Masche ist, immer mit 'yes' zu antworten und uns so glauben zu lassen, sie verstünden uns: Ein Mädchen habe ich gefragt, ob sie wüsste, wem der Stift gehört, den ich in der Hand hielt. Antwort: yes. Und dann, wem er denn gehören würde.. Antwort: yes. So viel dazu :D Zum Glück kannten sie das Spiel „Who's scared of the lion?“ und so konnten wir sie irgendwie beschäftigen, aber das kann ja nicht ein Jahr so weiter gehen, also muss Christoph und mir wohl noch etwas einfallen, das man mit Händen und Füßen erklären kann!
Als sich unser Volleyball-Training dem Ende zuneigte, wurde ich persönlich das erste Mal von der Kultur geschockt: Es gab einen Konflikt zwischen einem Jungen und einem Mädchen und ehe wir davon mitbekamen, lag sie auf dem Boden und ihr Auge wurde mehr als dick. Zum Glück wohnte sie nur auf der anderen Straßenseite und wir haben sie mit den anderen Kindern nach Hause zu den Eltern gebracht. Ich wollte dem Vater erklären, dass er die Verletzung kühlen müsse, aber das alles in Ordnung kommen sollte, da habe ich zusehen müssen, wie der Vater den kleinen Jungen gepackt und ihn dann mit einem Gürtel verprügelt hat. Das hat mich selber sehr schockiert, denn wir wurden zwar auf unseren Seminaren vorgewarnt, dass so etwas passieren könnte, aber es dann wirklich zu sehen, war sehr hart. Natürlich war es von dem Jungen absolut falsch, das Mädchen zu schlagen, aber ich bin es gewohnt, dass solche Konflikte diplomatisch gelöst werden. Christoph und ich wollen beim nächsten Training versuchen, mit den Kindern über den Vorfall zu reden – mal sehen, ob sie etwas loswerden wollen oder nicht.
Nachdem ich den Schock einigermaßen verdaut hatte, sind Timo und ich noch joggen gegangen, denn das hatten wir einem Kind versprochen – bei der tiefstehenden Sonne ist das auch immer wieder sehr schön und angenehm. Zum Glück kamen wir wieder bevor sich die Nachbarn überlegten, Gras zu „mähen“ (indem sie es verbrennen).

Als wir am nächsten Tag von unserer Joggingstrecke zurückkamen, wartete auf Christoph und mich eine ganz besondere Überraschung: ein Mädchen hatte uns etwas gemalt/geschrieben (siehe Foto) und somit bekamen wir eine erste (schriftliche) Bestätigung, dass wir hier akzeptiert und geschätzt werden.

  

African Time

Brett hatte uns zwar auf dem Vorbereitungsseminar erzählt, dass ein „morgen“ hier in Südafrika nicht unbedingt der Tag nach heute ist bzw. wenn man sagt, dass man sich am Wochenende treffen könnte, das noch keine feste Verabredung ist, aber heute haben wir es live erlebt. Mit unserer deutschen, pläneliebenden Art haben wir die Worte unserer neugewonnen, südafrikanischen Freundin Esther „Dienstag grillen wir zusammen“ ernst genommen, dementsprechend eingekauft und waren um ca. 17 Uhr bereit für Besuch. Tja.. So läuft das aber nicht in dem Land der Stressfreiheit! Naja, so haben wir das Fleisch und den Salat alleine gegessen und warten noch immer auf ihre Ankunft – vielleicht ja nächsten Dienstag..  

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass..

Halb sieben morgens und ich wache vom prasselnden Regen auf.. In Deutschland wäre das kein Problem – da würde einen höchstens der Lärm stören, doch mir kommt schnell der Gedanke, dass es hier anders ist und ich springe aus dem Bett, gucke durch das Fenster und meine Befürchtungen bestätigen sich: Das Wasser ist dabei, in unseren Vorbau zu laufen in Richtung Eingangstür. Schnell wecke ich erst Lea und dann wir beide die Jungs. Als wir alle aufgestanden und bereit sind, zu handeln, war dies auch dringend nötig, denn das Wasser (schlammig, braun, mit ganz viel Dreck) ist dabei, unter unsere Tische und Stühle zu laufen. Der Boxsack springt mir ins Auge und wird ganz schnell umfunktioniert zum Sandsack vor unserer Tür. Die Anderen trauen sich mit Regenjacke und hochgezogener Schlafanzughose nach draußen um schnell eine Art Damm zu bauen und irgendwas, um das Wasser umzuleiten. Es funktioniert, denn das Wasser steht zwar in unserem Haus und Vorbau, aber es wird nicht mehr. Wieder im Bett, trauen wir uns gar nicht richtig, wieder einzuschlafen, denn der Damm könnte ja aus irgendeinen verrückten Grund brechen und alles würde von vorne beginnen, aber die Sorge war zum Glück unberechtigt.. Als der Regen irgendwann aufhörte oder weniger wurde, guckten wir aus der Tür und unsere Nachbarn und Nachbarskinder waren dabei, uns ganz selbstverständlich dabei zu helfen, den Schlamm zu entfernen und sauber zu machen. Ich war schwer beeindruckt von der Hilfsbereitschaft – das zeigt wieder einmal, was für eine enge und liebenswürdige Community Berlin doch ist!!  

Wochenendeee


Nach der Arbeit am Freitag (Christoph und ich mussten feststellen, dass es sehr schwierig ist, mit Jungs Netball zu spielen [ähnlich wie Basketball], da sie davon überzeugt sind, es sei eine Mädchensportart – mal sehen, ob wir daran nicht noch arbeiten können..) sind wir nach East London gefahren um die anderen Freiwilligen zu besuchen. Mit denen haben wir dann den Abend verbracht und wir durften auch bei ihnen übernachten. Lea und ich haben in der 2er-WG von Caro und Katharina geschlafen und sind am nächsten Morgen mit ihnen zur Mall gelaufen um frühstücken zu gehen – seehr lecker! Nachdem wir den Nachmittag am Strand mit einigen Kindern aus dem Kinderheim verbracht haben, wurde noch lecker gekocht und dann sind wir auch zurück nach Berlin gefahren und nicht noch eine Nacht geblieben. Und das war auch gut so! Warum? Nächster Beitrag..

Donnerstag, 7. August 2014

Der 'Alltag' beginnt!

Dienstag, 5. August 2014: Für Christoph und mich war das der erste Tag mit richtigem, von uns geleitetem Sportunterricht. Mit Bällen und Hütchen unterm Arm kamen wir völlig motiviert, aber auch etwas gespannt an unserer Schule an und wurden von allen Kindern herzlich begrüßt: Umarmungen, alle wollen einen an die Hand nehmen, .. schon ziemlich süß! :D Es klappte soweit alles ganz gut, aber bei einer Sache waren Christoph und ich uns einig: Wir müssen in Zukunft unsere Trillerpfeifen mitnehmen, denn sonst haben wir am Ende jedes Tages keine Stimme mehr.
Als ich mit Lea am Nachmittag die Tanzgruppe von Jamila und Luisa unterrichten wollte, haben wir noch die Trauer der Kinder zu spüren bekommen, denn viele der Mädels haben angefangen zu weinen und an die Tafel zu schreiben „We love you, we miss you, please come back!“ - das ist einerseits natürlich und schön, denn es zeigt wie sehr die Kinder die Freiwilligen ins Herz geschlossen haben, aber andererseits macht es uns den Einstieg etwas schwieriger wenn wir mit ihnen verglichen werden oder Ähnliches. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch wir bald ein Teil ihrer Herzen sein werden!
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Mittwoch war bis jetzt der anstrengendste Tag, denn wir hatten viele Klassen und unter Anderem die erste Klasse – das war eine Herausforderung!! Die Kinder haben sich echt schwer getan, zuzuhören, still zu halten, einen Kreis bzw. eine Reihe zu bilden.. Bis wir die unter Kontrolle haben werden, das wird wohl noch so seine Zeit brauchen. Nachmittags haben Christoph und ich das erste Mal das Volleyballteam trainiert und als wir den Kindern erzählt haben, dass es nicht gut sei den Müll in die Natur zu werfen hat einer uns gefragt, ob wir denn Umwelt studieren würden :D Da kommt wohl unsere typisch deutsche Erziehung zum Vorschein. Wie die letzten Tage auch schon waren vor unserem Haus so einige Kinder und dann sind wir mit mehr als 50 Kindern joggen gegangen, was eine unglaublich schöne Erfahrung war! Meine Schwester hat mich gefragt, ob es denn nicht anstrengend sei auf so viele Kinder aufzupassen, aber irgendwie musste man nicht aufpassen, denn die sind alle ganz brav mitgelaufen. Und wie sie mitgelaufen sind: in Badelatschen/Ballerinas/Hausschuhen/barfuß/.. der Unterschied zu deutschen Kindern ist schon echt auffällig! Auf dem Weg haben wir Babyhunde gesehen und kurz kam die Überlegung auf, einen mit nach Hause zu nehmen (was wir natürlich gelassen haben). Danach haben wir erst einmal schön gegrillt und alle sechs zu Hause gegessen. 


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Donnerstag ist Grey's Anatomy-Tag :D Das haben Christoph uns heute überlegt, denn nach einer Aufwärmübung, die wir auf Wunsch einer Lehrerin übernommen haben, hatten wir (ich bis zur Tanzgruppe) frei :) Doch frei haben ist nicht frei haben hier: Als wir nach dem Tanzen zu den Kindern meinten „See you tomorrow“ bekamen wir nur zurück „No, see you today“, denn nach der Schule warteten schon die ersten vor unserem Haus und wollten mit uns Klavier spielen und Bälle ausleihen. Was ich noch erzählen wollte: heute Morgen auf dem Weg zur Toilette kam ich an 10 Kühen im Garten vorbei – das kann auch nicht jeder von sich behaupten.



Farewell Jamila, Lennart, Luisa and Samuel!

Letzter Tag für die vier, die die ersten Volontäre hier in Berlin waren, und heute habe ich zu spüren bekommen was sie hier hinterlassen haben: wir durften an der Farewell-Veranstaltung von Jamila und Lennart teilnehmen und die Reden waren sehr bewegend – auch ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Den ganzen restlichen Nachmittag haben viele Kinder noch bei uns im Garten gespielt und als ich ihnen meine Kamera gegeben habe, hatte ich danach ca. tausend Fotos mehr auf der Speicherkarte.. Aber das freut mich natürlich :) Den Abend haben wir zu zehnt nett ausklingen lassen und Steffen hat so einige Male erwähnt, wie schade es ist, dass die vier morgen fliegen ..wir hatten uns schon zu einer coolen 10er-WG entwickelt!


Let's go to the beach!

Unser erster Sonntag begann mit einem Kirchenbesuch (St. Katherine's Church) bei dem wir ganz lieb willkommen geheißen wurden in der Gemeinde. In Berlin hat die Sonne wunderbar geschienen und deswegen wollten wir an den Strand fahren (Nahoon Beach), allerdings war dort alles zugezogen.. Egal! Die Wellen waren trotzdem beeindruckend und das Volleyballnetz war auch schnell aufgebaut :) Abends gab es dann lecker Essen von KFC :D (ich hoffe unsere Kochkünste kommen in dem Jahr noch zum Vorschein).


Sporttag

Erster Tag und es ging für uns schon richtig los: An der Nkosinathi Primary School (die Schule, an der ich das nächste Jahr arbeiten werde) hatten Jamila, Lennart, Samuel und Luisa einen Sporttag geplant bei dem wir gleich mithelfen konnten; beispielsweise habe ich für einige Runden die Volleyball-Station übernommen. Zur Begrüßung haben die Kinder für uns gesungen: überwältigend! Uns wurde der Supermarkt gezeigt und Berlin generell: so groß wie das deutsche Berlin ist es nicht :D
Abends durften wir viele südafrikanische Freunde von unseren Vorgängern kennenlernen und so wurden wir gleich einigen Locals vorgestellt, mit denen wir bestimmt noch einiges zu tun haben werden in diesem Jahr. 






Ankunft

Hey Leute!!
Ihr müsst wissen, dass Blogeinträge (zumindest im ersten Monat) sehr selten möglich sind, da das mit dem Internet etwas schwieriger ist als gedacht :D Wahrscheinlich werde ich die Einträge vorbereiten und sobald ich Internet habe, sie gesammelt veröffentlichen.
Aber jetzt zum Inhaltlichen: die Anreise war lang, anstrengend und natürlich aufregend – ich bin noch nie so lange und so weit geflogen, also war bereits das eine neue Erfahrung (eins merke ich mir: nie wieder mit Jeans einen 10-Stunden-Flug antreten). Endlich angekommen in East London wurden wir von Brett, Lars und einigen Freiwilligen abgeholt und nach ein paar Umständen (irgendwie haben wir es verpasst, ins richtige Auto zu steigen und mussten noch ein wenig am Flughafen warten bis sich das Missverständnis geklärt hatte :D) kamen auch wir fünf Berliner (Christoph ist schon mitgefahren nach Berlin um das Gepäck abzuliefern) auf der Welcome-Party an. Abends sind wir zehn (die neuen Freiwilligen: Christoph, Lasse, Steffen, Timo, Lea und ich; die alten Freiwilligen: Luisa, Jamila, Lennart und Samuel) dann nach Berlin gefahren und ich habe zum ersten Mal mein neues zu Hause gesehen (zumindest für einen Monat bis wir ins neue Haus ziehen). Das Haus ist echt groß und wir haben sogar einen Sandwichmaker! Da stört es auch nicht, dass man einen Umweg zur Toilette gehen muss über die Terrasse.. Ihr glaubt nicht, wie froh ich an dem Abend war, dass ich endlich ein Bett hatte zum schlafen!!