Samstag, 13. September 2014

Gesagt, getan.

Gestern hat Christoph mich vom Tanzen abgeholt, dann sind wir zusammen zu Timo gefahren und haben zusammen an der Berlin Primary School Tennis gespielt – aller Anfang ist schwer; mehr sage ich nicht zu meiner Leistung.. Doch was viel wichtiger ist: danach sind wir auf dem Rückweg Hühner shoppen gegangen; jetzt haben wir ein weißes und ein schwarzes Küken zu Hause.  

Neues Haus, Neuer Schulweg, Neue Joggingstrecke

Nachdem wir den Umzug mit der Hilfe von unserem Freund Bongo gut überstanden hatten, ging es am Dienstag endlich mal wieder zur Schule. Die Kinder haben schon immer wieder gefragt, wann wir wieder zusammen spielen können und unser Principal dachte schon, wir wären verschollen (obwohl wir natürlich über alles informiert haben und es auch im Buch vermerkt war :D).
Im neuen Haus richten wir uns jetzt so langsam gut ein – wir haben jetzt auch endlich warmes Wasser – und unsere Jungs verbringen fast jeden Nachmittag in unserer Garage um Möbel selber zu bauen (da wird sicherlich der ein oder andere Männertraum wahr). Wir bereichern unser Mobiliar allerdings nicht nur mit Selbstgebrautem, sondern wir haben auch ganz viele Dinge von Mario geschenkt bekommen, den wir vom Supermarkt kennen.





Anfangs hatten wir befürchtet, dass uns die Kinder beim neuen Haus gar nicht mehr besuchen kommen würden, da wir nicht mehr mitten im Township leben, aber inzwischen wurden wir vom Gegenteil überzeugt und bis jetzt waren jeden Tag mindestens zwei Kinder bei uns, denen wir Bälle ausleihen konnten. Brett hat uns erzählt, dass sich der Besitzer des Hauses wundert, da ihm die Nachbarn berichtet haben, dass hier angeblich zichtausend Leute leben würden, aber dann hat er ihm erklärt, warum immer so viele Kinder vor unserem Haus sind.












Eine andere Befürchtung war, dass wir keine so schöne Joggingstrecke mehr haben werden, aber gestern sind Lea und ich mal spazieren gegangen auf der Suche nach einer neuen. Dabei sind wir auf wunderschöne Ausblicke und eine traumhafte Stecke gestoßen, also alle Sorgen umsonst. Sogar Kühe laufen hier manchmal herum – man könnte fast sagen, alles beim Altem (nur müssen wir uns keine Gedanken mehr machen, wenn es mal regnet und frieren nachts weniger).




Gestern hatte ich auch einen weniger schöner Anblick als ich hinterm Haus war und gesehen habe, dass Löcher in unsere Müllsäcke gemacht wurden. Beim alten Haus hätten das die Hunde gewesen sein können, doch hier war klar, dass das die Kinder waren, die im Müll nach 'Wertvollem' gesucht haben. Bei dem ganzen Spielen mit den Kindern verdränge ich manchmal bzw. ist mir gar nicht richtig bewusst, wie arm sie eigentlich sind..
Manchmal kommt es natürlich auch dazu, dass ich mit den Kleinen schimpfe, wenn sie zum wiederholten Male Regeln brechen, die man ihnen gesagt hat und das war auch Samstag der Fall. Irgendwann habe ich dann als Strafe alle Bälle eingesammelt und ein Junge wurde so sauer, dass er zu mir meinte „I say to you, I will never come here again and I will go now.“. Das hat mich schon getroffen, aber ich bin konsequent geblieben. Am nächsten Tag stand er zum Glück wieder vor der Tür und ich durfte mir anhören „Katharina, I wanted to say I'm sorry for the last night..“ Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich mich hätte verhalten sollen, wenn er anders reagiert hätte.


Was es noch zu sagen gibt: die Jungs hatten die glorreiche Idee, Hühner zu kaufen und bauen gerade einen Stall :D Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll.  

Home Again

Obwohl wir nur drei Tage weg waren, hat uns Berlin schon gefehlt und die Rückkehr lies mein Herz schneller schlagen: viele Leute, vor allem Kinder, haben in unser Auto geguckt und gelächelt und gewunken, als sie uns erkannt haben. Es fühlte sich so an, als hätten nicht nur wir Berlin vermisst, sondern Berlin uns auch. Vor unserem Haus wartete schon einer unserer Jungs, die immer vor unserem Haus und mit uns spielen, und kurz darauf hatte sich wieder eine ganze Gruppe gebildet. Das war besonders schön, da wir Gäste hatten und diese das „Berlin-Feeling“ miterleben durften: Maleen, Leona und Leonie sind vom Seminar mit zu uns gekommen und über das Wochenende geblieben. Mit den Kindern im Garten hatte man eine gute Ablenkung vom fehlenden Strom und Wasser an dem Nachmittag (das Wasser war für eine gewisse Zeit in ganz Berlin weg und der Strom hat gefehlt, da wir während des Seminars keinen neuen kaufen konnten und es auch irgendein Problem mit unseren Steckdosen gab).









Am Freitag habe ich Leonie meine Schule gezeigt und abends sind wir alle nach East London gefahren und haben dort auch die Leute aus Coffee Bay, East London und Port Alfred getroffen um mit ihnen zusammen auf ein Konzert von Mi Casa zu gehen. Zwischen einigen Songs hat der Sänger ziemlich viel erzählt.. auch vor allem an die Frauen gerichtet: sie sollten wissen, wie wertvoll sie sind. Im ersten Moment kam mir das irgendwie schnulzig vor, doch dann habe ich daran gedacht, dass die Rolle der Frau hier in Südafrika ja eine andere ist, als die, mit der ich groß geworden bin und es immer noch viele Frauen gibt, die misshandelt werden oder sich unter Wert (wortwörtlich) verkaufen. Somit fand ich es im Nachhinein sehr gut von ihm, dass er so mit den Frauen geredet hat.



Am Samstag wurden wir zu einer sehr traditionellen Feier eingeladen: Jungs werden hier wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, beschnitten und dann im Wald/ in den Bergen ausgesetzt und müssen sich selber verarzten und pflegen. Zwar wird ihnen Essen gebracht, wenn sie wollen, aber sie bleiben so lange im Wald bis sie wieder gesund sind. Und erst wenn sie gesund sind, kommen sie zurück nach Hause und auch erst dann werden sie in der Gesellschaft als Männer akzeptiert. Uns wurde sogar erzählt, dass manche lieber sterben (und es sterben einige dabei) als in ein Krankenhaus zu gehen, denn das würde bedeuten, dass sie keine richtigen Männer sind.
Wenn jedoch alles gut läuft, wird ihre Rückkehr ganz groß gefeiert und eben zu so einer Feier wurden wir eingeladen. Es wurde sogar eine Kuh geschlachtet und Bier selbstgebraut, das mit allen geteilt wurde. Da dieses Bier aber eher milchig aussah und in einem Plastikeimer serviert wurde, habe ich dankend abgelehnt und es mit meinen Magenproblemen von letzter Woche begründet. (Ich habe es nämlich schon einmal erlebt, dass jemand geradezu sauer wurde, als ich etwas hier Übliches nicht probieren wollte und die Blicke sind sehr unschön – für etwas war meine Krankheit also doch gut.)

Der letzte Tag unseres ersten Monats hier war auch unser letzter Tag im alten Haus. Es hieß also ein weiteres Mal Koffer packen für uns. Im Laufe des Tages kam uns die Idee, dass wir uns irgendwie auch von den Nachbarskindern verabschieden wollen und so beschlossen wir, Stockbrot mit ihnen zu machen. Eigentlich war das auch echt schön, aber die Kinder haben teilweise auch echt gedrängelt oder haben sie gar nicht bedankt. Diese Reaktion war etwas enttäuschend..





Großes Wiedersehen

Auf unserem ersten Seminar in Hogsback waren endlich alle Freiwilligen wieder vereint und wir konnten uns gegenseitig von unseren verschiedenen Einsatzorten berichten. Es war echt gut, dass wir trotz Krankheit mitgekommen sind, denn es ging uns allen besser und so konnten wir alle Leute wiedersehen und haben nicht verpasst, wie wichtige Dinge besprochen wurden.
Nach der ersten Nacht auf den doch sehr ungemütlichen Betten, wurden wir noch vor dem Frühstück auf einen „Teambuilding Adventure Walk“ geschickt. Dieser war sehr kräfteraubend – vor allem, weil ich noch geschwächt war -, aber er hat sich auf jeden Fall gelohnt: das Ziel war ein wunderschöner Wasserfall. Danach schmeckte das Frühstück noch viel besser.


Da Hogsback sehr abgelegen ist, war der Sternenhimmel um Einiges beeindruckender als man ihn aus einer Stadt kennt. Einen Abend haben wir also nur damit verbracht, uns auf Decken nach draußen zu legen und in den Himmel zu starren.  


Stomach Problems

Am 23.08. hat unsere Freundin Esther Geburtstag gefeiert und auch das war anders als ich es von zu Hause kenne. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie 28 geworden ist, oder daran, dass die letzten Geburtstagsfeiern, die ich miterlebt habe, 18. Geburtstage waren und damit etwas besonderes, aber es war anfangs nur ein sich gegenseitig vorstellen/ sich unterhalten, dann haben alle einen Teller mit Essen in die Hand gedrückt bekommen und später haben einige wenige getanzt. Danach sind wir alle zusammen ins Hotel und da kam für meinen Geschmack schon bessere Partystimmung auf, denn ausnahmsweise hat mir die Musik gefallen, denn sie bestand mal nicht nur aus den immerselben Beats.
Was wir an dem Abend beim feiern noch nicht wussten, ist, dass das Unwohlsein am nächsten Tag nicht die Folgen des Abends waren, die man vermutet hatte, denn sowohl Steffen, als auch Lea und ich hatten uns bei Esthers Sohn angesteckt und mussten von Sonntag auf Montag eine schreckliche Nacht überstehen. Unsere Projektpartner sollten also alleine zur Schule gehen, denn unterrichten (geschweige denn überhaupt aus dem Bett aufstehen) war unvorstellbar. Lasse war der Erste, der wieder nach Hause kam. Warum? Einer der Lehrer an seiner Schule hatte ihn zurück geschickt, damit er mit uns zum Arzt fahren kann. Wir blieben allerdings liegen, denn der Gedanke an Aufstehen und eine lange Autofahrt tat unseren Mägen nicht gut. Diesen Plan konnten wir jedoch nicht lange verfolgen, denn schon bald stand auch Christoph wieder im Haus und zwar mit einer unserer Lehrerinnen, die mit ihrem Auto auf uns wartete und darauf bestand, dass wir mit ihr zum Arzt fahren. Bei Ntosh sind keine Widerworte möglich, also rappelten wir uns alle auf und waren kurze Zeit später in der „Clinic“ in Berlin. Dort haben wir uns allerdings überhaupt nicht wohl gefühlt und die Ärztin hat uns sowieso ins Krankenhaus geschickt, da ich kurz davor war, umzukippen. Also doch die lange Autofahrt nach East London und dort wurden wir gut versorgt.
Die Tatsache, dass Ntosh uns persönlich zum Arzt gefahren hat, hat mir wieder einmal gezeigt, wie sehr die Leute hier in Berlin auf uns aufpassen und sich um uns kümmern.



Was bisher geschah..

Eines unserer neuen Hobbies sind Kinobesuche, denn die Preise hier sind unschlagbar: Montags beispielsweise gibt es ein Angebot, das sowohl den Eintritt (inklusive 3D-Filme) als auch Popcorn und Cola enthält für nur 45R (ca. 3,20€). Da bin ich aus Deutschland natürlich anderes gewohnt und weiß diesen Luxus zu schätzen.

Timo und Steffen trainieren ein Fußballteam der Berlin Primary School und Christoph hat mit Unterstützung von Lasse nun auch ein Team der Nkosinathi Primary School übernommen und am 19.08 stand das erste große Match der beiden Teams an. Gefühlt waren unsere Jungs tausend Mal aufgeregter als die kleinen Jungs; am Abend vorher wurden schon Motivationslieder ausgewählt und ich habe Lasse und Christoph (super professionelle) Coach-T-Shirts designt. Alle waren bereit für das Spiel und es ging praktisch darum wer es mehr drauf hat in unserer WG :D



Auch die beiden Netballteams der Schulen sollten gegeneinander spielen. (Für diejenigen unter den Lesern für die Netball noch ein Fremdwort ist: das Spiel besteht aus Pässen, man darf den Ball nur einmal berühren wenn man ihn fängt und auch nicht mit ihm laufen; wenn eine Shooterin den Ball unter dem Ring bekommt, darf sie sich so viel Zeit wie sie will für den Korbversuch nehmen.) Als es dann Zeit war, aufzubrechen zur Berlin Primary School, durften wir etwas, wie ich finde, wunderbares miterleben: Fast alle Schüler der Nkosinathi Primary School sind voller Begeisterung auf irgendeine Art und Weise zur Berlin Primary School gekommen (selbst wenn sie den doch ziemlich weiten Weg laufen mussten) um anzufeuern. Während das Team meiner Schule bei dem Netballspiel um Einiges überlegen war und mit einem deutlichen Vorsprung gewann, ging das Fußballspiel mit einem ernüchternden 0:0 aus.
Das war das erste Mal, dass ich aufmerksam bei einem Netballspiel zugeguckt habe und es sah auch ganz gut aus, allerdings lässt mich der Gedanke, dass das die einzige Möglichkeit ist, hier etwas Basketball-ähnliches zu spielen (es gibt hier weit und breit keinen Basketballplatz), meinen Sport und natürlich meine Mannschaft zu Hause sehr vermissen.

Was tut man, wenn man für den Sportunterricht nur einen Rasenplatz draußen zur Verfügung hat und es regnet? Das haben Christoph und ich uns gefragt als wir eines Morgens aus dem Fenster geguckt haben. Unsere Lösung waren kleine Spiele in den Klassenräumen wie Obstsalat mit der ersten Klasse oder Blockade mit den etwas größeren. Auch das war mal ganz schön, denn die Kinder waren alle in einem Raum und man musste nicht so schreien wenn man etwas erklären wollte.

In Südafrika ist das Leben entspannter, weil es hier keinen Hitler gibt. So denken leider immer noch manche Menschen und es ist ganz schön komisch, das zu hören. Zu wissen, dass solche Assoziationen mit unserem Land immer noch vorhanden sind in den Köpfen anderer, ist ein echt merkwürdiges Gefühl! Aber so etwas erleben ja viele im Ausland..

Vorletzte Woche haben Christoph und ich mit der siebten Klasse ein Staffelspiel mit Skatkarten ausprobiert (vier Mannschaften, eine/r der Mannschaft läuft auf die andere Seite, darf eine Karte aufdecken und wenn es die richtige Karte ist, sie mit zurück nehmen). Fast jeder hat geschummelt. Das hat uns etwas sauer gemacht, wir haben ihnen eine Standpauke gehalten und dann das Ganze noch einmal versucht – hat viel besser geklappt, allerdings stand ich auch zur Kontrolle bei den Karten. Doch als ob das nicht schon genug schimpfen für diese Stunde war, mussten wir am Ende der Stunde noch ein ernstes Wörtchen mit ihnen reden, denn bei einem Vertrauensspiel, wo sie alle zusammen eine Person aus ihrer Klasse tragen sollten, haben viele dieses Kind gekniffen und nicht festgehalten. Das Vertrauensspiel war also alles andere als erfolgreich. Im Lehrerzimmer kamen dann einige Mädchen aus dieser Klasse zu uns und meinten „Christoph, Katharina, can you please forgive us?“. Natürlich waren es nicht die, die sich eigentlich entschuldigen müssten, aber es war doch eine nette Geste und ein Zeichen dafür, dass unsere Worte vielleicht in ihren Köpfen geblieben sind.

Ein sehr positives Erlebnis mit dieser Klasse durften wir allerdings diese Woche erleben, denn wir haben die Kinder an Frisbees herangeführt um dann mit ihnen Ultimate Frisbee zu spielen und das hat wirklich sehr sehr gut geklappt; es hat echt Spaß gemacht, ihnen beim spielen zuzugucken bzw. mit ihnen zu spielen.