Samstag, 13. September 2014

Home Again

Obwohl wir nur drei Tage weg waren, hat uns Berlin schon gefehlt und die Rückkehr lies mein Herz schneller schlagen: viele Leute, vor allem Kinder, haben in unser Auto geguckt und gelächelt und gewunken, als sie uns erkannt haben. Es fühlte sich so an, als hätten nicht nur wir Berlin vermisst, sondern Berlin uns auch. Vor unserem Haus wartete schon einer unserer Jungs, die immer vor unserem Haus und mit uns spielen, und kurz darauf hatte sich wieder eine ganze Gruppe gebildet. Das war besonders schön, da wir Gäste hatten und diese das „Berlin-Feeling“ miterleben durften: Maleen, Leona und Leonie sind vom Seminar mit zu uns gekommen und über das Wochenende geblieben. Mit den Kindern im Garten hatte man eine gute Ablenkung vom fehlenden Strom und Wasser an dem Nachmittag (das Wasser war für eine gewisse Zeit in ganz Berlin weg und der Strom hat gefehlt, da wir während des Seminars keinen neuen kaufen konnten und es auch irgendein Problem mit unseren Steckdosen gab).









Am Freitag habe ich Leonie meine Schule gezeigt und abends sind wir alle nach East London gefahren und haben dort auch die Leute aus Coffee Bay, East London und Port Alfred getroffen um mit ihnen zusammen auf ein Konzert von Mi Casa zu gehen. Zwischen einigen Songs hat der Sänger ziemlich viel erzählt.. auch vor allem an die Frauen gerichtet: sie sollten wissen, wie wertvoll sie sind. Im ersten Moment kam mir das irgendwie schnulzig vor, doch dann habe ich daran gedacht, dass die Rolle der Frau hier in Südafrika ja eine andere ist, als die, mit der ich groß geworden bin und es immer noch viele Frauen gibt, die misshandelt werden oder sich unter Wert (wortwörtlich) verkaufen. Somit fand ich es im Nachhinein sehr gut von ihm, dass er so mit den Frauen geredet hat.



Am Samstag wurden wir zu einer sehr traditionellen Feier eingeladen: Jungs werden hier wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, beschnitten und dann im Wald/ in den Bergen ausgesetzt und müssen sich selber verarzten und pflegen. Zwar wird ihnen Essen gebracht, wenn sie wollen, aber sie bleiben so lange im Wald bis sie wieder gesund sind. Und erst wenn sie gesund sind, kommen sie zurück nach Hause und auch erst dann werden sie in der Gesellschaft als Männer akzeptiert. Uns wurde sogar erzählt, dass manche lieber sterben (und es sterben einige dabei) als in ein Krankenhaus zu gehen, denn das würde bedeuten, dass sie keine richtigen Männer sind.
Wenn jedoch alles gut läuft, wird ihre Rückkehr ganz groß gefeiert und eben zu so einer Feier wurden wir eingeladen. Es wurde sogar eine Kuh geschlachtet und Bier selbstgebraut, das mit allen geteilt wurde. Da dieses Bier aber eher milchig aussah und in einem Plastikeimer serviert wurde, habe ich dankend abgelehnt und es mit meinen Magenproblemen von letzter Woche begründet. (Ich habe es nämlich schon einmal erlebt, dass jemand geradezu sauer wurde, als ich etwas hier Übliches nicht probieren wollte und die Blicke sind sehr unschön – für etwas war meine Krankheit also doch gut.)

Der letzte Tag unseres ersten Monats hier war auch unser letzter Tag im alten Haus. Es hieß also ein weiteres Mal Koffer packen für uns. Im Laufe des Tages kam uns die Idee, dass wir uns irgendwie auch von den Nachbarskindern verabschieden wollen und so beschlossen wir, Stockbrot mit ihnen zu machen. Eigentlich war das auch echt schön, aber die Kinder haben teilweise auch echt gedrängelt oder haben sie gar nicht bedankt. Diese Reaktion war etwas enttäuschend..





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