Obwohl wir nur drei Tage
weg waren, hat uns Berlin schon gefehlt und die Rückkehr lies mein
Herz schneller schlagen: viele Leute, vor allem Kinder, haben in
unser Auto geguckt und gelächelt und gewunken, als sie uns erkannt
haben. Es fühlte sich so an, als hätten nicht nur wir Berlin
vermisst, sondern Berlin uns auch. Vor unserem Haus wartete schon
einer unserer Jungs, die immer vor unserem Haus und mit uns spielen,
und kurz darauf hatte sich wieder eine ganze Gruppe gebildet. Das war
besonders schön, da wir Gäste hatten und diese das „Berlin-Feeling“
miterleben durften: Maleen, Leona und Leonie sind vom Seminar mit zu
uns gekommen und über das Wochenende geblieben. Mit den Kindern im
Garten hatte man eine gute Ablenkung vom fehlenden Strom und Wasser
an dem Nachmittag (das Wasser war für eine gewisse Zeit in ganz
Berlin weg und der Strom hat gefehlt, da wir während des Seminars
keinen neuen kaufen konnten und es auch irgendein Problem mit unseren
Steckdosen gab).
Am Freitag habe ich
Leonie meine Schule gezeigt und abends sind wir alle nach East London
gefahren und haben dort auch die Leute aus Coffee Bay, East London
und Port Alfred getroffen um mit ihnen zusammen auf ein Konzert von
Mi Casa zu gehen. Zwischen einigen Songs hat der Sänger ziemlich
viel erzählt.. auch vor allem an die Frauen gerichtet: sie sollten
wissen, wie wertvoll sie sind. Im ersten Moment kam mir das irgendwie
schnulzig vor, doch dann habe ich daran gedacht, dass die Rolle der
Frau hier in Südafrika ja eine andere ist, als die, mit der ich groß
geworden bin und es immer noch viele Frauen gibt, die misshandelt
werden oder sich unter Wert (wortwörtlich) verkaufen. Somit fand ich
es im Nachhinein sehr gut von ihm, dass er so mit den Frauen geredet
hat.
Am Samstag wurden wir zu
einer sehr traditionellen Feier eingeladen: Jungs werden hier wenn
sie ein gewisses Alter erreicht haben, beschnitten und dann im Wald/
in den Bergen ausgesetzt und müssen sich selber verarzten und
pflegen. Zwar wird ihnen Essen gebracht, wenn sie wollen, aber sie
bleiben so lange im Wald bis sie wieder gesund sind. Und erst wenn
sie gesund sind, kommen sie zurück nach Hause und auch erst dann
werden sie in der Gesellschaft als Männer akzeptiert. Uns wurde
sogar erzählt, dass manche lieber sterben (und es sterben einige
dabei) als in ein Krankenhaus zu gehen, denn das würde bedeuten,
dass sie keine richtigen Männer sind.
Wenn jedoch alles gut
läuft, wird ihre Rückkehr ganz groß gefeiert und eben zu so einer
Feier wurden wir eingeladen. Es wurde sogar eine Kuh geschlachtet und
Bier selbstgebraut, das mit allen geteilt wurde. Da dieses Bier aber
eher milchig aussah und in einem Plastikeimer serviert wurde, habe
ich dankend abgelehnt und es mit meinen Magenproblemen von letzter
Woche begründet. (Ich habe es nämlich schon einmal erlebt, dass
jemand geradezu sauer wurde, als ich etwas hier Übliches nicht
probieren wollte und die Blicke sind sehr unschön – für etwas war
meine Krankheit also doch gut.)
Der letzte Tag unseres
ersten Monats hier war auch unser letzter Tag im alten Haus. Es hieß
also ein weiteres Mal Koffer packen für uns. Im Laufe des Tages kam
uns die Idee, dass wir uns irgendwie auch von den Nachbarskindern
verabschieden wollen und so beschlossen wir, Stockbrot mit ihnen zu
machen. Eigentlich war das auch echt schön, aber die Kinder haben
teilweise auch echt gedrängelt oder haben sie gar nicht bedankt.
Diese Reaktion war etwas enttäuschend..



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